Alle News
7 Fragen zu Medienarbeit an…

7 Fragen zu Medienarbeit an…

Ulrike Grünrock-Kern

 

Im Vorfeld des PR-Frühstücks „Renaissance der Medienarbeit“ befragt Cyrano Kommunikations-Profis zur Rolle von Medienarbeit heute und wie sie sich verändert. Im dritten Interview stellte Cyrano Ulrike Grünrock-Kern, Leiterin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der BVL, 7 Fragen dazu. Weitere Infos zum PR-Frühstück finden Sie hier.

 

Q: Frau Grünrock-Kern, was verändert sich rasanter – die internationalen Warenströme oder die Kommunikation mit Ihren Anspruchsgruppen und woran machen Sie das fest?

Es sind vor allem die digitalen Informationsflüsse, die diese Warenströme begleiten, die sich schnell verändern – aus meiner Sicht rasanter als die kommunikativen Kanäle. Die Digitalisierung hält unsere Branche in Atem – sie ist in der Praxis und den Führungsetagen angekommen. Fast alle sind sich im Klaren, dass sie diesen Wandel aktiv gestalten müssen. Hingegen wurden die Weichen dafür, wie wir heute kommunizieren, bereits vor einigen Jahren gestellt. Stichworte: Social Media, Push-Kanäle zu diversen Communities, eigene Content-Bausteine je Kanal.

 

Q: Die BVL ist ein Verein mit über 11.000 Mitgliedern und bezeichnet sich selbst als offenes Netzwerk. Da vermutet man, Sie haben Einblicke, wie Meinungen heutzutage in Fachöffentlichkeiten entstehen. Welchen Einfluss haben Meinungen auf Ihre Branche und wer prägt sie über welche Kanäle?

Es geht mir weniger um Meinungen als darum, Positionen zu setzen, die die Bedeutung der Logistik zeigen. In den Redaktionen hat die Taktung zugenommen, es bleibt wenig Zeit für zeitaufwändige Recherchen. Trotzdem bleiben sie wichtige Multiplikatoren. Für unseren Kontakt mit Journalisten heißt das, dass wir viel Basisarbeit leisten, also logistische Grundbegriffe und Arbeitsweisen erklären. Journalisten von Wirtschafts- oder gar den Publikumsmedien haben mit Logistik oft nur punktuell zu tun. Wenn wir auf dieser Ebene Redakteuren Innovationen sowie Positionen vermitteln und das medial transportiert wird, dann bewegen wir die öffentliche Meinung mit. Dabei sind wir realistisch: Wir sind einer von vielen, die sich auf dem Parkett bewegen. Aber durch unsere breite Mitgliederbasis haben wir einen weiteren starken Hebel, um wahrnehmbar aufzutreten. Beide Wege – Medienarbeit und Mitgliederkanäle – gut zu verzahnen, ist wesentlich, um unsere PS auf die Straße zu bringen.

 

Q: Es gibt immer mehr Publisher, die eigene Inhalte kreieren. Was erzeugt 2017 für die BVL in der Eigenkommunikation mehr Wirkung – die Erstellung eigener Inhalte und die Distribution auf eigenen Kanälen oder Inhalte, die Sie über Medien ausspielen – und wie gehen Sie damit um?

Für uns stehen die eigenen Kanäle heute im Vordergrund. Die Zusammenarbeit mit Medien bleibt aber ein wichtiger Faktor. Wir haben den Anspruch, die Diskussion über Logistik auch in Leitmedien zu führen. Doch die Abläufe hinter der Logistik zu veranschaulichen – das kriegen wir am besten auf unseren eigenen Kanälen hin. Warum? Weil wir die Zielgruppen dort kennen und selbst entscheiden, wie wir ein Thema für sie verpacken. Hervorheben aus unseren Formaten möchte ich unsere LOG.Mail, den wöchentlichen E-Mail-Newsletter mit Meldungen aus Politik, Unternehmen und BVL. Dazu erhalten wir sehr gutes Feedback und die Öffnungsrate ist mit 30 Prozent bei ca. 10.000 Empfängern überdurchschnittlich gut für Newsletter.

 

Q: Was wird von Journalisten bei Ihnen am meisten angefragt? 1. Zahlen und Fakten, 2. Interviews/O-Töne aus der Führungsetage, 3. Einschätzungen zu Entwicklungen auf internationalen Märkten?

In unserer Pressestelle werden am häufigsten Daten und Fakten angefragt. Zudem fragen jüngere Journalisten oftmals nach belastbaren Definition für Logistik – Basis-Knowhow eben. Hinzu kommen Anfragen nach Statements aus der Geschäftsführung oder dem Präsidium der BVL – zu nationalen wie internationalen Marktentwicklungen. Die TV-Berichterstattung zu Logistik konzentriert sich naturgemäß auf die starken Bilder z.B. Häfen, Schiffe oder gigantische Depots. Auch via Hörfunk lassen sich Logistikthemen nur bedingt einfangen. Wenn sich Journalisten die Logistikwelt auf die Agenda schreiben und umfassend und dauerhaft recherchieren, dann sind das meist Kollegen von Printmedien z.B. für Reportagen.

 

Q: Wie hoch im Kurs stehen für Sie persönliche Kontakte zu Journalisten? Und – Hand aufs Herz – wie viele Journalisten schaffen Sie es persönlich im Jahr zu einem Vieraugengespräch zu treffen?

Ich treffe außerhalb der Branchenveranstaltungen zwei bis vier Journalisten im Jahr für längere persönliche Gespräche. Die stehen weiter für mich hoch im Kurs – gerade weil Journalisten stärker als noch vor fünf Jahren auswählen, wen sie persönlich treffen und wozu. Ein Beispiel: Wenn ein Redakteur einer überregionalen Zeitung einen Tag zum Deutschen Logistik-Kongress nach Berlin kommt, dann erwartet er mindestens zwei Ansätze für eine Story inkl. Hintergründe und zwei Interviews mit Topmanagern mitzunehmen – sonst lohnt es sich nicht. Die Zeitbudgets in Redaktionen wollen heute sehr effizient genutzt werden. Wir wissen das, bereiten diese Termine individuell vor und bemühen uns um Exklusivität für den Redakteur und sein Medium.

 

Q: Die Logistik überschreitet nationale Grenzen. Die BVL verfügt entsprechend über Partnerschaften zu Logistik-Netzwerken in anderen Ländern. Wie nehmen Sie öffentliche Diskussionen und die Rolle der Medien in anderen Ländern im Vergleich zu Deutschland wahr?

Die öffentliche Diskussion in Deutschland ist von einer hohen Dichte an Fachmedien geprägt. Die decken die Berichterstattung bis in Spezialgebiete und Nischen ab. Zudem ist die Verlagswelt dahinter noch nicht so konsolidiert wie in Großbritannien, Frankreich und den Beneluxländern. Das ist gut so und verschafft der Logistik in Industrie, Handel und Dienstleistungssektor wie auch der Logistikwissenschaft gute Möglichkeiten, ihre Themen in die Öffentlichkeit zu transportieren.

 

Q: Die Adventszeit beginnt früher als sonst. Was glauben Sie, werden irgendwann findige Logistikunternehmen die Weihnachtsgeschenke mit weihnachtlich geschmückten Robotern an Heiligabend ausliefern – und wann könnte es technologisch soweit sein?

Technisch ist das möglich, ein weihnachtlich dekorierter Roboter am Heiligabend vor der Haustür wäre sicher mal etwas Neues. Aber ich fürchte, es bleibt beim PR-Gag. Der Weg vom Depot des Lieferanten bis zum Kunden, die Letzte Meile, ist der höchste Kostenfaktor. Der Transport wäre dann wohl teurer als das Geschenk. Aber Sie können ja mal bei Hermes anfragen…

© Cyrano Kommunikation GmbH