Corona spielt Discountern in die Karten

Wie wir morgen handeln:
Christian Oppitz © Molkerei Gropper

Christian Oppitz ist Geschäftsführer der Molkerei Gropper. Das Unternehmen wurde 1929 als regionale Molkerei gegründet und steht heute als Mittelständler in der Lebensmittelindustrie für Qualität und Innovation. Als Handelsmarkenspezialist produziert die Molkerei neben Milchprodukten auch Direktsäfte und Smoothies für Handelsunternehmen und vertreibt diese in ganz Europa. Im Rahmen unseres Interviews haben wir Christian Oppitz gebeten, seine Einschätzungen zur Auswirkung von Covid-19 auf das Leben und das Einkaufsverhalten der Bevölkerung aktuell, aber auch in Zukunft, zu geben.

Cyrano: Herr Oppitz, werden Sie und Ihre Familie nach der Corona-Akutphase anders einkaufen als vorher? Und wenn ja: Was genau werden sie verändern?

Christian Oppitz: Was sich in den letzten Jahren doch gravierend verändert hat ist die Geschwindigkeit, mit der wir einkaufen, vor allem getrieben durch den Bereich E-Commerce. Wir freuen uns doch alle selbst sehr, wenn wir heute etwas bestellen und in der Bestätigung erfahren, dass die Ware schon übermorgen geliefert wird. Alles muss immer sofort verfügbar sein. Das Nachdenken kommt dabei oft zu kurz. In meiner Familie führt die Krise dazu, dass wir noch bewusster einkaufen: Wir achten bereits jetzt bewusst darauf, regionale Händler und Produzenten zu unterstützen.

Und wie verändert Corona Ziele und Bedürfnisse der Kunden insgesamt?

Ich sehe zwei gegensätzliche Entwicklungen: Die Einen werden, wie meine Familie und ich, den Fokus mehr auf Nachhaltigkeit legen. Viele werden noch mehr auf regionale Anbieter achten. Ich bin überzeugt davon, dass einige Verbraucher auch nach der Krise bei diesem Verhalten bleiben werden. Nicht zuletzt auch deswegen, weil die Krise ihnen viele Themen erst bewusst gemacht hat.

Die breite Masse wird allerdings ihr Einkaufsverhalten nur bedingt anpassen (können). In vielen Haushalten besteht finanziell gar nicht die Möglichkeit, langfristig oder grundsätzlich etwas zu verändern.

Zudem bedeutet die zu erwartende wirtschaftliche Krise auch für viele  Menschen, dass sie weniger Geld zur Verfügung haben werden. Deswegen gehe ich davon aus, dass der Preis ein entscheidendes Kaufargument bleiben wird – auch wenn Corona einmal überstanden ist.

Nehmen sie an, dass spezielle Einkaufstypen oder Menschen in bestimmten Altersklassen besonders stark von der Krise beeinflusst werden?

Eine eindeutige Kategorisierung ist natürlich immer schwierig, aber ich glaube, dass gerade ältere Menschen – sagen wir 50+ – ihren Konsum eher überdenken und ihr eigenes Einkaufsverhalten anpassen oder sogar auf lange Sicht ändern werden. Der regionale Aspekt und die Gesundheit spielen hier eine entscheidende Rolle. Wenig bis gar nicht verändern wird sich aus meiner Sicht das Konsumverhalten der Generation Z oder noch jüngerer Konsumenten. Das ist aufgrund ihrer Sozialisation aber nur allzu verständlich.

Was wird sich dadurch voraussichtlich für den deutschen LEH verändern? Werden grundlegend neue Herausforderungen entstehen?

„Grundlegend“ würde ich nicht sagen. Aber manche Trends werden sich verstärken, wie beispielsweise der Megatrend Regionalität. Händler sollten auf Sortimentsveränderungen und -anpassungen vorbereitet sein und diese Chance nutzen. Die Transparenz bezüglich der Herkunft von Produkten sowie nachhaltige Produktionsketten werden uns auch in den kommenden Jahren noch stark beschäftigen. Hierbei ist nicht nur entscheidend darauf zu achten, wo die Ware herkommt, sondern auch, ob sie in ausreichender Menge verfügbar ist.

Gibt es aktuell den LEH intensiv bestimmende Megatrends, auf die die Corona-Krise Ihrer Meinung nach besonders große Auswirkungen haben wird?

Bestimmte Megatrends wie Nachhaltigkeit oder Regionalität werden sicherlich durch die Krise einen neuen oder anderen Fokus bekommen. Bei anderen Megatrends wie Individualisierung oder Digitalisierung sehe ich keinen direkten Zusammenhang zur Krise. Letztlich lassen sich manche Entwicklungen nicht aufhalten. Darauf nimmt auch Corona wenig Einfluss.

Wenn Sie eine Prognose wagen müssten: Wer hat die besten Voraussetzungen, um sich in der Post-Corona-Phase im Wettbewerb hierzulande zu behaupten – Discounter, Supermärkte oder Warenhäuser?

Das ist schwer zu beantworten. Statistiken zeigen, dass die Supermärkte gerade seit Anfang 2020 die Nase vorn hatten. Jetzt aber werden die Karten komplett neu gemischt. Angesichts der gesamtwirtschaftlichen Situation und der absehbaren Entwicklung hin zu einer Rezession, würde ich aber wagen zu behaupten, dass die Krise eher den Discountern in die Karten spielt.

Die Ausbreitung des Corona-Virus nicht nur in Deutschland und Europa, sondern auf der ganzen Welt stellt die Gesellschaft und die Wirtschaft vor eine neue Herausforderung. Wir haben die Gelegenheit genutzt und mit einigen unserer Partner kurze Interviews zu aktuellen und zukünftigen Entwicklungen aufgrund der Coronakrise geführt.

Mehr Interviews aus unserer Interviewreihe zu den Auswirkungen der Corona-Krise: Unimarkt-Geschäftsführer Andreas Haider über Digitalisierung und Regionalität!