„Die Unterstützung der Region wird wichtiger“

Wie wir morgen handeln:

Die weltweite Ausbreitung des Corona-Virus stellt die Gesellschaft und die Wirtschaft vor ungeahnte Herausforderungen. Auch der Lebensmitteleinzelhandel erlebt schon jetzt Veränderungen. Auf unserem Blog veröffentlichen wir eine stetig wachsende Interview-Sammlung mit branchenspezifischem Hintergrundwissen und konkreten Einschätzungen durch Branchenexperten. Dieses mal im Interview:

Andreas Haider © Unimarkt Gruppe

Andreas Haider. Er ist Geschäftsführer bei der österreichischen Unimarkt Gruppe. In Österreich ist Unimarkt in sechs Bundesländern mit 80 Filialen und 51 Franchise-Partnern vertreten. Das Unternehmen legt großen Wert auf Regionalität und arbeitet in den Bundesländern mit vielen Bäckern, Fleisch- und Wurstproduzenten sowie kleinen bäuerlichen Betrieben.

In unserem Interview gibt uns Andreas Haider seine Einschätzung dazu, wie sich Covid-19 auf das Leben und das Einkaufsverhalten der Österreicher aktuell, und auch in Zukunft, auswirkt.

Cyrano: Wie viele Personen leben in ihrem Haushalt, für wie viele Personen wird eingekauft und wo?

Andreas Haider: 2 Personen, im stationären LEH.

Haben Sie jetzt schon Ihr Einkaufsverhalten verändert?

Wir haben schon vorher sehr bewusst, sehr nachhaltig und diszipliniert eingekauft. Deshalb ändert sich für uns zunächst nichts – und das wird es auch wahrscheinlich nicht.

Denken Sie, dass sich Ziele und Bedürfnisse von Kunden nach der Krise verändern werden?

Online wird eine neue Bedeutung bekommen. Die Menschen werden sich Backups über den Online Kanal organisieren aufgrund der Erfahrungen, die sie jetzt gerade machen. Und die Menschen werden ihren Lebensraum, in dem sie sich aufhalten, noch bewusster wahrnehmen. Sie werden sich die Frage stellen: Wie sieht meine persönliche Einkaufsmöglichkeit aus, wie kann ich das für mich persönlich anpassen oder optimieren? Neben der zunehmenden Bedeutung von Online werden sich parallel die Menschen auf die Suche danach machen, was ihre Region hergibt. Der Konsument wird sich bewusste Kanäle schaffen, um weniger abhängig von der globalen Welt zu sein.

Glauben Sie, dass es bestimmte Einkaufstypen gibt? Nach Altersklassen?

Die älteren Menschen werden sich bewusster mit der Digitalisierung auseinandersetzen, damit sie solange wie möglich autark sein können und nicht Hilfe von außen brauchen. Und die Jüngeren werden sich bewusster über ihre Region werden, um für spätere Krisen ein Bild davon zu haben, auf was man zugreifen kann. Die Unterstützung der Region wird folglich viel wichtiger.

Wie wird der österreichische LEH auf dieses veränderte Einkaufsverhalten reagieren?

Neue Dimension im LEH entstehen immer weiter: Der Online-Handel wird stärker ausgebaut werden und der regionale Handel wird stärker in die Kommunikation aufgenommen werden – untermauert durch die Stichworte Nachhaltigkeit und Wirtschaft in der eigenen Region.

Können Sie jetzt schon Megatrends beobachten, die auf die Corona-Krise große Auswirkungen haben?

Ja, definitiv. Der Zugriff auf den Online-Shop von Unimarkt ist derzeit wahnsinnig groß. Das stellt große Herausforderungen an unsere vorhandene Infrastruktur, die mit dem zunehmenden Ansturm erstmal klarkommen muss. Wir können auch beobachten, dass die Menschen Druck empfinden auf ihr persönliches Leben. Selbst kochen steht wieder im Zentrum, die Themen Ernährung und Frische erlangen wieder einen höheren Stellenwert, was gleichzeitig bedeutet, dass Fast Food & Convenience aktuell in den Hintergrund rücken.

Was bedeutet das für Unimarkt?

Große Chance für die Frischtheken (Fleisch-Theke, O&G, etc.).

Was denken Sie, wer wird sich am besten behaupten nach der Krise (Discounter, Vollsortimenter, SBW, Wochenmarkt)?

Die Rezession wird sicher kommen, davon werden die Discounter profitieren. Die Supermärkte werden demzufolge Themen aufgreifen, wie Discount-Preise, aber auch regionale und wertige Produkte. Gleichzeitig wird die SB-Ware – unabhängig von der Krise – zurückgehen. Jene Menschen, die sich gerne was gönnen (z. B. Essen gehen, Barbesuch) legen jetzt mehr Wert auf hochwertige Lebensmittel.

Ihr Fazit?

Der LEH muss sich auf das Thema Onlinehandel deutlich besser vorbereiten!

Mehr aus unserer Interviewreihe zu den Auswirkungen der Corona-Krise: Generationenforscher Rüdiger Maas zu Unterschieden zwischen den Generationen.