Digital Detox – Der Tod für Social Media?

Vergiftet uns Social Media? Könnte man meinen, schließlich schlägt der Trend des Digital Detox, der digitalen Entgiftung immer höhere Wellen. So führte Instagram kürzlich eine „Alle-neuen-Posts-gesehen-Funktion“ ein: Hat der Nutzer bereits alle Beiträge der letzten 48 Stunden angeschaut, erscheint ein Hinweis, dass er auf dem aktuellsten Stand ist. So soll vermieden werden, dass Posts doppelt angeschaut oder verpasst werden. Seit kurzem rollt Instagram auch die Funktion „Usage insights“ aus, hinter der die persönliche Nutzungsdauer von Instagram steckt und einsehbar sein wird. Aber auch Facebook testet derzeit eine „Nicht-stören“-Funktion, mit der sich Benachrichtigungen für eine selbst festgelegte Zeit ausschalten lassen. Ist so eine selbst verordnete Ruhe von Facebook ausreichend? Internet-Größe Christian Brandes aka Schlecky Silberstein geht noch weiter: In seinem Buch „Das Internet muss weg. Eine Abrechnung“ kritisiert der Blogger, der täglich hunderttausende Leser online verbuchen kann, Social Media und die dahinter verborgenen Medien-Mogule als gnadenlose Geldmaschinerie.

Was heißt das für Unternehmen? Raus aus dem Social Web? Auf keinen Fall. Aber mit dem Digital Detox Trend im Hinterkopf sollten Posting-Zeiten, Themenpläne und Inhalte einmal kritisch hinterfragt werden. Nicht jedes witzige Hunde-Video mehr am Abend steigert noch Kundenbindung oder Markenwahrnehmung. Es gilt, den Fokus des Facebook-Profils und der Postings noch stärker zu schärfen. Je genauer der User weiß, was er erwarten kann, desto weniger wird er sich gestört fühlen. In Form und Inhalt darf man natürlich immer noch überraschen. Was bisher ein Info-Kanal war, sollte aber nicht plötzlich zur Marketing-Schleuder werden. Ein Kanal für Employer Branding darf nicht am nächsten Tag das hippe Image-Ding sein.

Das gleiche gilt für die Frequenz. Die User zu überladen war auch schon vor Digital Detox nicht angesagt. Vier Posts pro Tag können Ok sein, wenn es sich um Termine oder Verspätungsalarme handelt – angesagt sind eher weniger. Gerade Unternehmen müssen nicht auf jeder Trendwelle mitsurfen und ein Meme nach dem anderen raushauen. Ein allgemeingültiges Erfolgsrezept für den optimalen Posting-Zeitpunkt gibt es nicht. Dafür sind Interessen und Verhaltensweisen verschiedener Zielgruppen einfach zu unterschiedlich. Allerdings gibt der Arbeitsalltag einen gewissen Rahmen: Arbeitnehmer sind vorwiegend morgens, in der Mittagspause oder am Abend im Social Web unterwegs. So eignen sich Inhalte zum Employer-Branding-Content oder zur Kundenbindung eher für vormittags oder mittags, wohingegen unterhaltende Inhalte eher am Abend gepostet werden sollten.

Wenn jeder seine Grenzen im Social Web kennt, dann braucht das Internet auch nicht direkt abgeschafft zu werden.