5 Kniffe für gute Wissenschafts-kommunikation

Wenn die Corona-Krise eines gezeigt hat, dann wie wichtig die Wissenschaft und ihre Erkenntnisse für die Gesellschaft sind. Wir haben auch gelernt: Forschung so zu vermitteln, dass alle wissen, was gemeint ist, ist kein Selbstläufer. Der Fall Drosten vs. BILD hat gezeigt, dass der öffentliche Diskurs anderen Regeln folgt, als die Kommunikation in der Scientific Community. Im schlechtesten Fall bedroht das die gesellschaftliche Akzeptanz von Forschung. Die gute Nachricht: Das lässt sich steuern.

An den vielfältigen Reaktionen zwischen umsichtiger Politik und blindwütigen Corona-Leugnern hat sich gezeigt, dass Wissenschaftler*innen auch mit konstanter täglicher Kommunikation nicht automatisch Akzeptanz und Verständnis erreichen. Das gilt auch für die Klimaforschung, die Krebsforschung, Diesel-Diskussionen und viele andere Themen.  Im Spannungsfeld zwischen Verständlichkeit, Faktentreue, Transparenz, Empathie und den internen Abläufen der Wissenschaft sorgt gute Kommunikation dafür, dass die Öffentlichkeit nicht nur erreicht wird, sondern die Botschaften versteht und als relevant erkennt. Gesellschaftliche Akzeptanz schaffen Wissenschaftler*innen, wenn sie den Diskurs aktiv mitgestalten.

5 goldene Regeln für gute Wissenschaftskommunikation am Fallbeispiel Corona:

1. Vorbereitung und Struktur

Die Corona-Krise zeigt, wie wichtig gute Vorbereitung ist, um komplexe medizinisch-wissenschaftliche Inhalte zu vermitteln. Um die eigene Botschaft bestmöglich zu transportieren, gilt es, vor dem Kommunizieren gut zu planen und zu strukturieren. Diese Fragen dienen dabei als Orientierungshilfe:

  • Welche Ziele verfolge ich mit der Kommunikation meiner wissenschaftlichen Erkenntnisse? Was ist meine Botschaft?
    Im Rahmen der Maßnahmen zur Eindämmung des Corona Virus spielen Mund-Nasen-Masken eine zentrale Rolle. Diese Botschaft soll glaubwürdig und nachvollziehbar verbreitet werden.
  • An wen richtet sich meine Kommunikation?
    Wissenschaflter*innen wissen um die Effektivität von Mund-Nasen-Masken. Die Öffentlichkeit nicht unbedingt – deswegen ist es wichtig zu bedenken, dass nicht unter Kolleg*innen mit ähnlichem Hintergrundwissen gesprochen wird, sondern zwischen unterschiedlichen Wissensniveaus.
  • Mit welchen Inhalten will ich welche wissenschaftlichen Erkenntnisse vermitteln?
    Für die gute Kommunikation von wissenschaftlichen Themen braucht die Öffentlichkeit anschauliche Beispiele und gute Metaphern. Auch Bilder und Infografiken sind, sofern sie nicht zu komplex sind, hilfreich!
  • Auf welchen Kanälen kann ich die relevanten Zielgruppen bestmöglich erreichen?
    Facebook & Co.? Podcasts? Überregionale Tagezeitungen? Alles wichtige Kanäle, die aber auch mit den passenden Inhalten bespielt werden möchten. Die Zielgruppe zu verstehen und sich ihr anpassen – das ist auch in der Wissenschaftskommunikation wichtig.
  • Wer übernimmt welche Rolle?
    Wen mehrere Forscher und Institute zu einem Thema kommunizieren, ist es hilfreich, sich im Vorfeld abzustimmen und Rollen zuzuweisen. Insbesondere, wenn Politiker mit auf dem gleichen Podium sitzen. Der eine berichtet von den Erkenntnissen, der andere gibt Empfehlungen aus, der Dritte projiziert die Entwicklung in die Zukunft. Das erleichtert den Medien die Zuordnung.

Zuständigkeiten für routinemäßig anfallende Arbeiten, wie die Ablaufplanung, die Schwachstellenanalyse und das Monitoring sind ebenfalls wichtig.

2. Verständlichkeit

Asymptomatisch, Inzidenz, Tenazität – Fachjargon und spezielle Forschungsmethoden sind für wissenschaftsnahe Personen problemlos nachvollziehbar. Fachfremde brauchen jedoch einfache, verständliche und klare Sprache. Um wissenschaftliche Fakten gut zu kommunizieren, sollten Forschende sich deshalb an ihrer jeweiligen Zielgruppe orientieren und Inhalte so einfach wie möglich aufbereiten. Mind the (knowledge) gap!

3. Transparenz und Offenheit

Tägliche Podcasts und Informationen durch Virolog*innen, zeitnahe Darstellungen der neusten Corona-Erkenntnisse – transparente und offene Kommunikation über wissenschaftliche Inhalte und Prozesse schafft bei Rezipient*innen Vertrauen. Ist während des Forschungsprozesses ein Ergebnis überraschend oder sogar widersprüchlich zum Forschungsstand, sollte dies auch genauso kommuniziert (und entsprechend eingeordnet) werden. So kann es später auch nicht als vermeintliche Diskrepanzen „aufgedeckt“ werden.

4. Reaktionsmanagement

Ein abgestimmtes, konsistentes Auftreten und die Verfügbarkeit geeigneter Ansprechpartner*innen vergrößern den Kommunikationserfolg in der Krise. Durch Social Media ist außerdem dialogische Kommunikation zu einem wichtigen Erfolgsfaktor geworden: Rückfragen und Kritik der Rezipient*innen können hier souverän durch Ansprechpartner*innen aufgegriffen und moderiert werden. FAQ-Dokumente mit abgestimmten Antworten erleichtern die Arbeit dabei enorm und sorgen für eine konsistent kompetente Kommunikation.

5. Empathie

Wissenschaftliches Wissen wird nach methodischen Standards gewonnen, die in der Scientific Community akzeptiert sind. Die dabei gewonnen Erkenntnisse werden von Rezipient*innen aber teilweise als heikel, beängstigend oder persönlich belastend wahrgenommen – besonders, wenn sie sich vorher noch nie mit ihnen auseinandergesetzt haben. Wenn eine Schrecksekunde denk- oder sogar erwartbar ist, ist Empathie unerlässlich. Anstatt Zahlen und Fakten sachlich richtig, aber nüchtern zu präsentieren, sollte Einfühlungsvermögen an den Tag gelegt und Ängsten entgegengewirkt werden. „Wir verstehen, dass unsere Forschungsergebnisse Angst vor einem erneuten Anstieg der Infektionszahlen schüren. Sie müssen allerdings vor dem Hintergrund interpretiert werden, dass…“

Wissenschaftler*innen gelangen durch Forschung zu neuen Erkenntnissen und tauschen sich innerhalb der Forschungsgemeinschaft routiniert darüber aus. Der Öffentlichkeit werden wissenschaftliche Erkenntnisse in der Regel medial vermittelt. Nachprüfen kann diese Ergebnisse außerhalb der Fachwelt niemand. Die Corona-Krise hat gezeigt – und zeigt noch immer – eindrücklich, wie wichtig gute Wissenschaftskommunikation ist. Mit ihr können Fehlinterpretationen, Missverständnisse und ungenaue Moderation der Fakten durch Medien und Meinungsführer verhindert und Unsicherheiten aufgefangen werden.

Das Fallbeispiel Corona: So kommunizieren Wissenschafter*innen in der Krise richtig!